Freudenberg. Zehn Stipendiaten gehen in den unterschiedlichen Kulturregionen Nordrhein-Westfalens auf Spurensuche. In Südwestfalen ist bekanntermaßen Dr. Barbara Peveling unterwegs, um Orte zu erkunden, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Geschichte zu hinterfragen.
Ihre literarische Entdeckungsreise führte die promovierte Historikerin und Literatin, die schon zwei Romane veröffentlichte, jetzt ins Freudenberger 4Fachwerk-Mittendrinmuseum.
Barbara Peveling ist 1974 in Siegen geboren und in Olpe sowie Bonn aufgewachsen; heute lebt sie in Paris und Köln. Familiäre Bindungen reichen ins Siegerland und nach Freudenberg. Sie studierte in Tübingen und Paris, in Marseille forschte sie für ihre Doktorarbeit, arbeitete in Israel, darf also als „in der Welt zuhause“ bezeichnet werden. Und als Regions-Schreinerin nun der beobachtende Blick, die Suche nach Eindrücken vom Alltäglichen auf diesen Teil Nordrhein-Westfalens. Die Erkundung soll ausdrücklich „ländlich geprägten Gegenden“ gelten, so die Vorgabe der Initiatoren.
4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel erzählt ihr die Geschichte des 2016 von dem Verein übernommenen Museums, dem Anliegen, ein Ort des Austauschs über Kunst, Kultur und Geschichte zu sein.
Kindheitserinnerungen oder auch die Erzählung ihrer Tante fallen Barbara Peveling ein, als Dieter Siebel die ein oder andere anekdotische Begebenheit aus dem „Flecken“ zu berichten weiß.
Der Blick „von außen“ verspricht ein facettenreiches Panorama. Wie bekannte der deutschsprachige Schriftsteller Dimitrij Kapitelmann über die Kunst der eigenen „nüchternen Beschreibung“: „Denn für Orte, die man liebt, ist man ja blind.“
Nun, die Gassen des Alten Fleckens hatte Barbara Peveling bereits durchstreift. „Ich musste daran denken, dass vor mehr als zweihundert Jahren französische Truppen unter Napoleon in Freudenberg waren, wo sie plünderten, und im Siegerland selbst um ihre Kriegskasse beraubt wurden. Kein Mensch hat das noch erlebt, aber die Häuser im Flecken schon. Ob sie damals auch so schweigend in ihren Reihen standen wie heute?“, formulierte sie darüber in ihrem Block (https://stadt-land-text.de/flecken/).
Hier im Museum konnte Peveling nun auch einige Exponate betrachten, die die Ereignisse im September des Jahres 1776 dokumentieren und die „im Flecken“ für so viel Unruhe und Schrecken sorgten. Eine Wagenkolonne der französischen Arme hatte sich damals von Siegen aus in Richtung Freudenberg begeben und wurde bereits in Lindenberg überfallen. Die 16 Karren setzten ihren Weg fort, der Transport kam letztlich unangefochten im Flecken an und sollte bis zum nächsten Morgen von den Bürgern mit bewacht werden. Doch 700 bis 800 Menschen, „ganze Massen kölnischer Bauern“, seien in die kleine Stadt hereingebrochen, um die Wagen zu plündern, berichtet ein Chronist aus jener Zeit.
Die Rache der Napoleon-Armee für diese Missetat ließ nicht lange auf sich warten. Der Dienstag, 13. September 1796, ging als denkwürdiger Tag für eine Reihe von Nachbardörfern in deren Geschichte ein. Jetzt kamen 400 französische Soldaten zunächst in Freudenberg an, zogen dann aber nach kurzem Aufenthalt weiter: „...Sie rächten sich auf furchtbare Weise. Kaum war eine Stunde verflossen, als schon mächtige Rauchsäulen am nördlichen Horizonte aufstiegen. Es waren die Dörfer Römershagen, Dörnscheid und Heid (...) die in einen Aschenhaufen verwandelt wurden. (...) Drei unglückliche Flüchtlinge hatten das Missgeschick, aufgefangen und gleich erschossen zu werden,“ beschreiben alte Aufzeichnungen diesen Tag.
Dieter Siebel: „Gerettet hat den Flecken vor einer Brandschatzung letztendlich der Arzt Johann Wilhelm Weiland, der verwundete französische Soldaten medizinisch versorgt hatte.  Diese zeigten sich dafür dankbar, sprachen gut über den Ort und somit konnte eine dritte Vernichtung durch Feuer vermieden werden.“
Eingehend ließ sich Barbara Peveling auch über die aktuelle Worpswede-Ausstellung im Kunstforum des Museums informieren. Diese Präsentation mit Werken des Künstlers Heini Linkshänder ist noch bis zum 16. August in Freudenberg zu sehen.
„Werden sich die Regionen der Welt angesichts der Globalisierungseffekte immer ähnlicher,“ lautet eine Kernfrage von Dr. Barbara Peveling bei ihrer literarischen Südwestfalen-Recherche nach „Einmaligem“ und „Besonderem“. Die 4Fachwerker würdigte sie im Gästebuch: „Danke, für dieses tolle Museum!“

Foto: B. Brandemann

 

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