Niederndorf. Der Gesang-Verein „Sangeslust“ Niederndorf feiert am Samstag sein 100-jähriges Bestehen. Der Verein wurde ursprünglich in Oberfischbach gegründet. Am 12. Januar 1926 versammelten sich die 25 künftigen Sänger zu ihrer ersten Gesangstunde, die vom Chorleiter Gustav Schrnolz geleitet wurde. Zur Finanzierung der Fahne zogen die Sänger in die Wälder an den Hängen des Giebelwaldes, schlugen dort Reisig, banden es zu Schanzen und verkauften ganze Wagenladungen an die Charlottenhütte in Niederschelden.
Im Jahre 1927 konnte die Fahne feierlich von ihrem Ankunftsbahnhof Niederfischbach abgeholt und am 17. Juli im Rahmen eines Sängerfestes geweiht werden. Als Gäste zu dem Fest, das ebenfalls in Niederfischbach gefeiert wurde, die Männergesangvereine „Liedertafel" Freudenberg, „Arion" Gosenbach, „Harmonie" Niederndorf, „Union" Oberasdorf und „Eintracht" Oberheuslingen teil.
Die Vereinslage wurde in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und den politischen Veränderungen nach 1933 zunehmend schwieriger. Und als 1935 noch einige jüngere Sänger zum Wehrdienst einberufen wurden, verblieben noch neun bis zehn Sänger. Da konnte der Verein sich nicht mehr halten und wurde im Register gestundet.
In den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren war an ein Wiederaufleben natürlich nicht zu denken. Aber wenige Jahre später tauchte in vielen Köpfen in Niederndorf und Oberfischbach gleichzeitig der Gedanke auf, wieder einen Chor aufleben zu lassen. Am 9. Dezember 1951 traf man sich im „Klöckners Säälche" in Niederndorf. Die Beteiligung war so zahlreich, dass man die Gesangstunden wieder aufnehmen konnte. Der Verein führte nun den Namen „Sangeslust" Oberfischbach-Niederndorf. Zum 1. Vorsitzenden wurde Robert Uebach gewählt und als Chorleiter der Niederndorfer Lehrer Heinz Hilbig gewonnen.
Die Vereinsfahne aus Oberfischbach wurde mit Zustimmung der verbliebenen Mitglieder bei einer Vorstandssitzung am 13. Februar 1952 dem neuen Verein übergeben. Auch die zehn Mitglieder des alten Vereins wurden feierlich aufgenommen. Nun sah man dem ersten Sängerfest am 6. Juni 1953 in einem Festzelt in der Fischbachwiese freudig entgegen, bei dessen Anlass die vom alten Verein übernommenen Mitglieder vom Vorsitzenden besonders geehrt wurden.
Bei der Jahreshauptversammlung am 3. Januar 1954 wurde Ernst Schreiber zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Im Jahre 1959 zog Chorleiter Heinz Hilbig ins Wittgensteiner Land. Seine Stelle übernahm Franz Bätzing aus Niederfischbach. In der Jahreshauptversammlung am 6. Januar 1965 wurde Franz Kulik zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Im Herbst 1974 wurde auf Anregung des 1. Vorsitzenden ein Kinderchor ins Leben gerufen, zu dem sich 65 Jungen und Mädchen anmeldeten. Dieser wurde von Hannelore Kulik betreut. Chorleiter war ebenfalls Franz Bätzing unterstützt durch Horst Wagener. Nach großen Erfolgen in den folgenden Jahren musste dieser Chor mangels Unterstützung durch die örtlichen Schulen 1984 wieder aufgegeben werden.
Am 29. Juni 1976 waren dann erstmalig auch Frauen bei der Probestunde. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten entwickelte sich dieser in der Folgezeit zu einem leistungsfähigen gemischten Chor.
Das Jahr 1982 war das wohl aufregendste überhaupt. Mitte Januar erhielt der Verein, völlig überraschend, von Paula Müller das Angebot, den Probenraum - das „Klöckners Säälche" - käuflich erwerben zu können. Am 5. Februar war es soweit: Die Umschreibung der Immobilie auf den Verein wurde vor dem Notar vollzogen und am 16. Februar mit einer kleinen Feier abgeschlossen. Mit Unterstützung des Bauamtes Freudenberg wurde eine Zeichnung erstellt und das Genehmigungsverfahren eingeleitet und abgeschlossen. Mit viel Elan und großem Arbeitseinsatz wurde nun im Laufe des Jahres aus dem alten „Klöckners Säälchen" das "Sängerheim Niederndorf". Am 24. März 1982 erfolgte die Eintragung beim Amtsgericht Siegen als Gesang-Verein „Sangeslust“ Oberfischbach-Niederndorf e. V.
Als erster kultureller Verein der Stadt Freudenberg nahm der Gesang-Verein „Sangeslust" Beziehungen zu dem Gemischten Chor der ungarischen Partnerstadt Mór auf, die mit dem Besuch von 47 Personen im Juli 1989 freundschaftlich besiegelt wurde. Neben dem Empfang durch Bürgermeister Hermann Vomhof im Hotel „Fuchshof“ in Niederfischbach war das gemeinsame Konzert in der Turnhalle der Höhepunkt des Besuches.

Ein Novum in der Geschichte des Gesangvereins bildete die Verpflichtung von Mechthild Lorenz als Chorleiterin am Anfang1996. Sie war die erste Chorleiterin und wurde im gleichen Jahr direkt mit drei Großereignissen konfrontiert, dem Konzert aus Anlass des 70-jährigen Vereinsbestehens am 29. Juni 1996 in der Turnhalle. Hier fand auch das gesamte Fest unter Mitwirkung der örtlichen Vereine statt, wobei wie bereits 1986 Lothar Uebach die Schirmherrschaft übernahm. Es folgte das Chor- und Solistenkonzert am 9. November 1996 in der Aula in Büschergrund sowie das Benefizkonzert zugunsten „Tchernobyl geschädigter Kinder" unter Beteiligung des weißrussischen Folklore Ensembles „Kressivo" am 1. Dezember1996 in der Turnhalle Niederndorf.
Im Jahr 1997 konnte der Verein zum Dorfjubiläum „575 Jahre Niederndorf“ stolz feststellen, dass das „Sängerheim" durch Vermietung, Bewirtung, sammeln von Spenden und dem kostenlosen Reinigen von Sängerfrauen schuldenfrei dastand. Auf der Mitgliederversammlung am 8. Januar 1998 wurde einem Antrag auf Namensänderung in Gesangverein „Sangeslust" Niederndorf e. V. durch Mehrheitsbeschluss stattgegeben und der Verein beim Amtsgericht Anfang 1999 so eingetragen. Vorsitzender Winfried Schmidt. Im Jahr 2001 feierte der Verein sein 75-jähriges Bestehen.
Viele Proben und Auftritte des gemischten Chores erfolgten in den folgenden Jahren, bis im Frühjahr 2005 der „Mango Chor“ auf Initiative der Chorleiterin Mechthild Lorenz und einiger Vereinsmitglieder als Projektchor gründet wurde. Es sollte alles gesungen werden, was auch jüngeren Sängerinnen und Sängern Spaß macht, wie Oldies, Schlager, Stücke aus Musicals, Evergreens, Popsongs, Gospel und Jazz. Nach etwa dreimonatiger Probezeit und dem ersten gemeinsamen Konzert mit dem gemischten Chor des Gesangsvereins „Sangeslust“ stand für rund 35 „Mangos“ fest, dass es auch nach diesem Projekt weiter gehen sollte.
Im Jubiläumsjahr 2006 feierten der gemischte Chor und der Mango-Chor gemeinsam das 80-jährige Jubiläum des Gesangvereins „Sangeslust“ im Sängerheim, es spielten als Gäste der Posaunenchor, der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Niederndorf und das Heimatquartett.
Neben den regelmäßigen Konzerten in der Niederndorfer Turnhalle gab es auch immer wieder Konzerte jenseits der Dorfgrenzen. Im Jahr 2012 bat Mechthild Lorenz den Vorstand des Vereins, sich um eine Nachfolge der Chorleitung zu bemühen. Nach mehr als 20 Jahren musikalischer Leitung wollte nun die „Chefin“ neue Wege gehen. Am 3. Juli 2013 wurde sie offiziell verabschiedet.
Mit Marina Müller fand man eine neue Chorleiterin. Mit dem Chor Mango übernahm sie als damals jüngste Chorleiterin im Chorverband NRW ihren ersten „eigenen“ Chor. Jetzt wurde es auch Zeit für weitere Veränderungen. Der Chor gab sich ein neues Outfit und nannte sich ab Mitte September 2013 nun „InTakt“ und konnte beim Konzert am 19.10.2013 in der Turnhalle Büschergrund erstmalig die neue Chorleitung und den neuen Chornamen einem breiten Publikum vorstellen. In den folgenden Jahren wechselte das Dirigat mehrfach, auf Marina Müller folgten Laura Manka, Mona Kaiser, ab dem Jubiläumsjahr 2026 übernimmt Franziska Peters den Stab.
Giebelwälder Dudelsäcke
Zu einer folgenreichen Begegnung kam es im Dezember 2006 beim traditionellen Sternenfest in Niederndorf: Jens Möbus, Gerd Groos und Detlef Klein trafen auf Christian Hoof und Henrik Uebach und schmiedeten Pläne zum gemeinsamen Dudelsackspielen. Angestrebtes Ziel war ein Auftritt bei der Einweihung des neuen Sportzentrums am Höppel in Niederndorf im Jahr 2007.
Wurde diese Idee zunächst noch schelmisch belächelt, nahm das Vorhaben in den folgenden Wochen konkrete Züge an. Internet-Recherchen bildeten die Basis der Suche nach geeigneten Instrumenten und Kleidung. Was noch fehlte, war eine fachkundige Anleitung: Im April 2007 nahm die Truppe Kontakt mit dem Dudelsacklehrer Werner Bielen-Hoffrichter aus Grevenbroich auf. Für den ersten Schritt wurden Practice Chanter von Jens Möbus über die Firma Roth-Containerdienst gesponsert, die wöchentlichen Übungsstunden fanden in der alten Kantine der ehemaligen Firma Siebel, heute Firma Klichta Rohstoffe und Recycling statt. Dort wurden die ersten Übungseinheiten unter der Anleitung von Werner abgehalten, das erste Spielen sollte dann auf Leihdudelsäcken des Lehrers erfolgen. Der Enthusiasmus wuchs, im Laufe von zwei Monaten erwarben die Spieler eigene original Schottische Dudelsäcke.
Was fehlte, war das entsprechende Outfit. Dies fand man bei Gabriele Küster aus Siegburg. Die Schneiderin nähte den Musikanten maßgeschneiderte Oberhemden und Kilts, welche aus feinem englischem Zwirn in den Farben des Niederndorfer Wappens gehalten wurden. Insgesamt investierte die Gruppe rund 10.000 Euro in Dudelsäcke, Kleidung, Hilfsmittel und Übungsstunden.
So kam, was nur wenige für möglich gehalten hatten: Am 11. August 2007 standen sechs Dudelsackspieler, frisch verstärkt von Rainer Lengert und in Begleitung von zwei jungen Trommlern, Sebastian Groos und Max Möbus, auf der Bühne des Festzelts des Niederndorfer Sportzentrums „Am Höppel“. Vor 1000 begeisterten Zuhörern spielten die Musiker den Premierenauftritt. Am Folgetag wurde die Festveranstaltung auf dem Sportplatz musikalisch mitgestaltet: Eine neue Musikgruppe in Niederndorf war geboren: Die Giebelwälder Dudelsäcke.
Im Folgenden wurden die ersten Auftritte absolviert. Erster Höhepunkt war Februar 2008 auf Einladung des Elferrates der Pfadfinder Niederfischbach die Teilnahme an der Karnevalssitzung der DPSG auf dem Rothenberg unter dem Motto „Karneval wie bei den Schotten“. Nun stellte sich die Frage, einen Verein zu gründen oder sich einem Verein anzuschließen. Zunächst wurde überlegt, eine Untergruppe des VZEE, dem Verein zur Erhaltung und Erneuerung des Dorfbildes Niederndorf, zu bilden. Dann fragte der Vorstand des Gesangsvereins Sangeslust Niederndorf an, ob die neue Musikgruppe sich nicht dem Gesangsverein anschließen wolle. Und so kam es, dass 2008 die außerordentliche Mitgliederversammlung des Gesang-Verein „Sangeslust“ Niederndorf e. V. die neue Satzung genehmigte, die für den weiter entwickelten singenden und musizierenden Verein gilt. Gewählt wurden Jens Möbus als erster und Gerd Groos, ab 2010 Henrik Uebach als zweiter Vorsitzender.
Es folgten viele Aufführungen an Stadt- und Vereinsfesten, Festzügen, Firmenveranstaltungen, Jubiläen, Hochzeiten, Geburtstagen und vieles mehr. Es wurden Dudelsackspieler und Trommler ausgebildet, die Musikgruppe wuchs stetig. Mächtig auf die Pauke haute Bürgermeister Eckhard Günther nach seinem Wahlsieg im Jahr 2009, als die Giebelwälder Dudelsäcke im Rathaus von Freudenberg dem Bürgermeister zur Wiederwahl gratulierten.
Besondere Veranstaltungen in der Folgezeit waren u. a.:
- Highland Games in Niederndorf auf der Reithalle im August 2011
- Winterkonzert im Dezember 2012 mit Mango Chor, Posaunenchor Niederndorf, Heimatquartett Niederndorf, Spielmannszug Niederndorf
- Konzerte mit den Latemillers
- Konzerte mit der Siegerländer Bergknappenkapelle Niederschelden
- Highland Games in Niederkleusheim
- Eröffnung der Grillhütte Niederndorf
- Konzerte mit dem Musikverein Herdorf
- und viele andere mehr...
Mit Peter Mac Coogan als Pipe Major (2017-2020) wurde im Jahr 2018 zusätzlich ein englischer Name der Band gewählt: Gable Mountain Highlanders
