Freudenberg. Ein lauer Sommerabend, kühle Getränke, eine einzigartige Fachwerk-Kulisse und ein grandioses Theaterensemble - das waren am Mittwochabend die Zutaten des Bruchwerk-Theater-Gastspiels im Freudenberger Kurpark. "JEEP" war irgendwas zwischen Komödie, Slapstick, Gesellschaftskritik und Posse - jedenfalls urkomisch und ein tolles Open-Air-Erlebnis.
Das Leben ist nunmal ein Lotteriespiel. Jedenfalls im Jahr 2029, wenn Vermögen nicht mehr in den Familien vererbt, sondern per Losverfahren verteilt werden. Soweit so komisch. Wenn aber die Bürger - oder besser: die "Opferwürste" - in der Amtsstube aufschlagen und auf die bizarre Welt der deutschen Bürokratie treffen, wird's turbulent.
Fiona Metscher, Mirka Ritter, Jan Sabo und Valentin Stroh waren die Akteurinnen und Akteure, die am Mittwochabend über die Ladefläche des Siebeneinhalbtonners wirbelten und das Publikum auf den Plastikstühlen mit der urkomischen Story unter der Regie von Milan Pešl unterhielten. Die fassungslose Enterbte und die chronisch Glücklose treffen in der zuständigen Behörde auf höchst engagierte, unbestechliche und motivierte Bürokraten und es entwickelt sich schnell ein Kräftemessen um Gerechtigkeit, Neid und persönliche Vorteile.
Aber wo der Pfandbetrag vom Regelsatz abgezogen wird, weil Pfandsammeln rechtlich eine selbstständige Erwerbstätigkeit ist, stellt sich schnell auch die Frage, wie gerecht unsere reale Gesellschaft tatsächlich ist. Die Frage wird beantwortet - konsequent, zugespitzt, witzig und gnadenlos auf die Spitze getrieben. Sehenswert – und vom Verein Freudenberg WIRKT erneut hervorragend organisiert.
Wer es nicht gesehen hat, sollte sich noch Tickets für das Open Air am Unteren Schloss in Siegen am Freitagabend besorgen. Beginn ist um 20 Uhr.


















