Freudenberg. Dass der Evangelische Kirchenkreis im kommenden Jahr elf seiner insgesamt 54 Kindertagesstätten abgeben will, hat im ganzen Kreisgebiet für Unverständnis gesorgt. In Freudenberg sorgt sich die Politik vor allem um den Fortbestand des Kindergartens Piccolino in Oberholzklau. Derweil beruhigt Landrat Andreas Müller: „Niemand muss sich Sorgen machen, ohne Betreuungsplatz dazustehen“
"Die Schließung der Kita Piccolino in Oberholzklau wäre eine Kaktastrophe für die Erzieherinnen und Erzieher und vor allem für die Kinder und Familien in Oberholzklau und Umgebung", so die Freudenberger Grünen in einer Stellungnahme. "Es muss unbedingt verhindert werden, dass eine wohnortnahe und pädagogisch und baulich gut aufgestellte Einrichtung geschlossen wird." Kritik üben die Bündnis-Grünen vor allem daran, "dass der evangelische Kirchenkreis alle Beteiligten vor vollendete Tatsachen stellt" und sie fordern, dass "alle erdenklichen Anstrengungen unternommen werden, um die elf Kitas zu erhalten." Ferner müsse das Land NRW und der Bund durch Reformen des Kinderbildungsgesetzes dafür sorgen, dass Kindertagesstätten auskömmlich finanziert werden. "Die Betreuungs- und Bildungsamöglichkeiten unserer Kinder müssen ganz weit oben auf der politischen Prioritätenliste stehen."
Die CDU Freudenberg zeigt sich "tief besorgt" über die angekündigte Schließung der Kita Piccolino in Oberholzklau, die im Zuge der Trägerschaftsaufgabe des Evangelischen Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein geplant ist. Noch in der vergangenen Woche sei im Ausschuss für Bildung, Soziales, Jugend, Familie und Senioren intensiv über die Herausforderungen kleiner Kita-Einrichtungen gesprochen worden - nun folge diese Hiobsbotschaft.
"Diese Entscheidung trifft die betroffenen Familien und Mitarbeitenden ins Mark. Die Kita Piccolino ist ein wichtiger Bestandteil der lokalen Betreuungsstruktur und bietet gerade für die jüngsten Kinder in unserem Stadtgebiet die frühkindliche Bildung vor Ort. Wir werden alles daransetzen, eine Lösung zu finden, um den Erhalt der Einrichtung zu sichern," betont Christoph Reifenberger, Fraktionsvorsitzender der CDU Freudenberg.
Die Zukunft der Kita Piccolino darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.
Auch Alexander Held, Stadtverbandsvorsitzender der CDU Freudenberg, unterstreicht die Dringlichkeit: "Es kann nicht sein, dass Familien und Kinder die Leidtragenden von organisatorischen und finanziellen Herausforderungen sind. Wir fordern alle Beteiligten auf, umgehend an einen Tisch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Zukunft der Kita Piccolino darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Wir wollen nicht auf die Betreuungsangebote vor Ort verzichten. Nicht umsonst stehen wir hinter dem Grundsatz „kurze Beine - kurze Wege“.
Zusammenfassend fordert die CDU Freudenberg eine rasche Zusammenarbeit aller Verantwortlichen – von der Kommune, über den Träger, das Kreisjugendamt bis hin zur Landesregierung, um eine tragfähige Lösung für den Erhalt der Kita Piccolino, aber auch aller anderen Kindertagesstätten zu finden. "Wir müssen alle Kitas vor Ort zukunftsfähig aufstellen, damit Familien eine verlässliche Betreuungsstruktur und eine echte Hilfe im Alltag haben. Gerade kleine Einrichtungen spielen eine zentrale Rolle für das Zusammenleben im Dorf", so Alexander Held abschließend.
Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Rainer Beel zeigt sich "entsetzt, wie wenig Bedeutung Kreis und Kirche der Betreuung und Früherziehung unserer Jüngsten beimessen." Kitas müssten Vorrang haben. Die geplante Schließung von elf Kindertagesstätten, von der gerade unser ländlich geprägtes Freudenberg betroffen sei, treffe diejenigen, die sich für Kinder entschieden haben, und es treffe die Erzieherinnen und Erzieher, die in jahrelanger Arbeit eine liebevolle und geborgene Umgebung für unsere Kleinen geschaffen haben, ins tiefste Mark.
"Die Prioritäten müssen richtig gesetzt werden"
Gerade in der Kita Piccolino in Oberholzklau werde das Konzept der Inklusion und Integration durch versierte Fachkräfte in moderner und zeitgemäßer Form umgesetzt – der perfekte Start der frühkindlichen Erziehung. "Für mich ist die Rolle der Familie besonders wichtig, und ich unterstütze die Entscheidung für Kinder voll und ganz", so Beel weiter. "Deswegen fordere ich einen runden Tisch von Kirche, Eltern, den Mitarbeitern der Kitas und der Politik statt einseitiger Beschlüsse, sowie ausreichend finanzielle Mittel von staatlicher und kirchlicher Seite zum Fortbestand der Kitas.
Es dürfe nicht sein, dass diejenigen, die die Zukunft unserer Gesellschaft sicherstellen, einem schon seit geraumer Zeit reformbedürftigen Finanzierungskonzept zum Opfer fallen, während die öffentliche Hand auf der anderen Seite Hunderttausende in Projekte wie eine Umweltspur und die autofreie Altstadt stecke. Bei aller Berechtigung dafür: die Prioritäten müssen richtig gesetzt werden.
„Das Kreisjugendamt wird in Kürze Kita-Träger und Vertreter der betroffenen Kommunen einladen, um über die Zukunft der Kindertagesstätten zu sprechen, für die der Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein frühestens ab dem Kindergartenjahr 2026/27 die Trägerschaft aufgeben will“, kündigt Landrat Andreas Müller an: „Bei dem Gespräch wird es zum Beispiel um die Frage gehen, ob es andere Träger gibt, die diese Einrichtungen ggf. übernehmen möchten.“
Landrat: Sorgen berechtigt, aber nicht nötig!
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne des Evangelischen Kirchenkreises hat das Kreisjugendamt bereits positive Signale erhalten. „Deshalb sind wir zuversichtlich, hier gute Lösungen finden zu können“, sagt Kreisjugenddezernent Thomas Wüst: „Ich sehe die Bereitschaft verschiedener Träger, hier einzuspringen und Verantwortung zu übernehmen. Welche Lösungen es für einzelne Standorte konkret geben wird, kann natürlich erst am Ende der Gespräche gesagt werden. Vorher ergeben auch Spekulationen keinen Sinn“, so Kreisjugenddezernent Thomas Wüst.
“Wir bedauern diese Entwicklung sehr”, unterstreichen Landrat und Kreisjugenddezernent: “Entscheidend ist für uns aber die Botschaft an alle Eltern, die sich Sorgen um die künftige Betreuung ihrer Kinder machen: Das ist absolut verständlich, aber nicht nötig! Sie können darauf vertrauen, auch künftig ein wohnortnahes Betreuungsangebot für ihr Kind zu erhalten!”
Im Rahmen des Jugendhilfeausschusses wird die Kreisverwaltung am 4. März über die weiteren Entwicklungen nach der Rückzugs-Ankündigung des Kirchenkreises berichten.