Büschergrund/Konongo. Neun Mitglieder des CVJM Büschergrund entflohen über Ostern dem Siegerländer Spätwinter und besuchten den YMCA Konongo in Ghana. Anlass war das 40-jährige Jubiläum einer Partnerschaft, die nun bereits in die dritte Generation reicht, sowie ein buntes Programm gemeinsam mit Freunden.
Als Teil einer Gruppe von 38 Teilnehmern aus 6 CVJM-Ortsvereinen des CVJM-Westbundes – von Ostwestfalen bis Hessen – starteten sie in Accra, gemeinsam mit den ghanaischen YMCA-Vertretern und Abgeordneten der dortigen YMCA-Partnervereine. Bei einer Stadtrundfahrt durch die Stadt an der Atlantikküste besuchte die Gruppe symbolische Orte auf dem Weg des Landes zur Demokratie. Nach dieser kulturellen Einstimmung evaluierte man in einem Workshop die bisherigen Vereins-Kooperationen und eröffnete neue Perspektiven für die Partnerschaftsarbeit.

Am Folgemorgen teilte sich die Gruppe der Reisenden - im Alter von 17 bis 76 Jahren, viele davon zum ersten Mal in Ghana - auf die verschiedenen Partner-Orte innerhalb des Landes auf. Für die Teilnehmenden aus Büschergrund bedeutete die Fahrt in die gut 40.000 Einwohner zählende Stadt Konongo in der Ashanti-Region eine sechsstündige Herausforderung im Überlandbus, mit hautnahem Erlebnis tückischer Verkehrssituationen: Baustellen ohne Ausweichrouten, Hupkonzerte, verstopfte und unbefestigte Pisten sowie Warentransporte mit oft abenteuerlich überladenen Lkw in fragwürdigem technischen Zustand.
In Konongo selbst stand jedoch nicht der Verkehr im Mittelpunkt, sondern die Menschen. Wie der herzliche Empfang zeigten auch die Besuche bei den Partnerfamilien eindrucksvoll, wie tief die Wurzeln der Verbindung sind. Jene Kinder aus den Familien der Mitglieder des Büschergrunder CVJM und des YMCA Konongo, die 1986 mit Briefpartnerschaften den Grundstein legten, haben heute selbst erwachsene Kinder. Es ist somit die dritte Generation, die diese Partnerschaft lebt und in die Zukunft trägt.
Die offizielle Begrüßung der Gruppe durch den Bürgermeister resultierte in einer spontanen Einladung zur geplanten Jubiläumsfeier der Vereine, wozu - wie sich später zeigen sollte - nicht nur der „MC“ selbst erschien, sondern sogar zwei Polizei-Beamte zur Sicherheit der deutschen Gäste abgestellt wurden. Der Besuch bei der Feuerwehr zeigte die lokalen Herausforderungen, etwa der undichte Wassertank des einzigen Löschfahrzeugs. Ein weiterer wichtiger Termin führte die Gruppe zu Nana Konongohene, dem traditionellen Chief der Region, um gemeinsam mit dessen Beirat Grundstücksfragen zu diskutieren. In Ghana existieren solche klassischen traditionellen Verwaltungsstrukturen bis heute parallel zu modernen staatlichen Ämtern. Der Büscher Bernhard Bertelmann, der vor Jahren zu Nana Kofi Marfo III ernannt wurde, ist selbst Mitglied dieses Traditional Councils.

Ein Höhepunkt der Reise war die Feier zum 40-jährigen Bestehen der Partnerschaft, mit Reden, üppigen Mahlzeiten und ghana-typischer lautstarker Musik. Insbesondere faszinierte eine schon TV-erfahrene Tanzgruppe junger Leute. Dass diese fast täglich ihre Moves und Choreografien nicht länger auf den Straßen Konongos, sondern in der Halle des YMCA-Center einstudieren, ist der sehr engagierten und Büschergrund-erfahrenen YMCA-Managerin Dora zu verdanken, die sie spontan angesprochen und hierher eingeladen hatte.
„Das ist echte CVJM-Arbeit“, betonte Bernhard Bertelmann vor Ort. „Jungen Leuten einen Ort und eine Bestimmung geben, ihnen Werte durch Vorleben vermitteln.“ Genau so hatte einst der Begründer der YMCA-Partnerschaften Fritz Pawelzik ghanaische Jugendliche über den Straßen-Fußball für den christlichen Glauben begeistert.
Die kulturelle und spirituelle Vielfalt zeigte sich besonders an Karfreitag - mit Teilnahme an einer katholischen Prozession - und Ostern. Bereits früh am Oster-Morgen versammelte sich die Gruppe vor Sonnenaufgang zu einer kleinen Andacht, bevor sie später einen Gottesdienst der evangelisch- methodistischen Gemeindebesuchte. Trotz sprachlicher Barrieren war die Freude über die Auferstehung Jesu spürbar. Traditionell trugen viele Gläubige weiße Kleidung als Zeichen der Reinheit. Im Gegenzug wurden mit Ostereier-Färben und -Verstecken auch deutsche Bräuche praktiziert - ungewohnt nur die Außentemperatur von 37 Grad. Auch die Zeit nach Ostern war ereignisreich, sei es durch die Mithilfe beim „Kids-Day“ mit rund 70 Kindern oder Besuche im neuen Krankenhaus sowie an einer weiterführenden Schule, die eine Partnerschaft mit dem Gymnasium am Löhrtor in Siegen anstrebt.
Ein Ausflug in die Großstadt Kumasi bot Einblicke in das geschäftige Leben auf den Märkten sowie in die Street-Art-Szene vor Ort. Nach einem Cybersicherheit-Vortrag des YMCA-Regionalsekretärs vor Studierenden besuchten die Teilnehmenden auch die landwirtschaftliche Fakultät der Uni und tauschten sich zu fachlichen Fragen aus. Auf dem Rückweg nach Accra vertiefte die Gruppe ihre Eindrücke durch Besuche in einem einem orthopädischen Trainingszentrum sowie dem Kinderheim „Precious Feet“. Die Einrichtung, geleitet von einer engagierten Frau, die selbst mit einer Behinderung lebt, motiviert die Kinder sehr stark zu Selbstständigkeit und gegenseitiger Unterstützung.
Erfüllt mit einem neuen oder vertieften Bild eines afrikanischen Landes trafen alle Reisenden aus ihren Partnerorten wieder in Accra ein, zum Rückflug in die deutsche Kälte - für manche sicher nicht nur aufs Wetter bezogen.
Text und Fotos: Burkhard Münker/Marion Wirth
