Stadtältester und Ehrenbürger Freudenbergs: Rudolf Kalteich ist am Freitag im Alter von 87 Jahren verstorben.
Stadtältester und Ehrenbürger Freudenbergs: Rudolf Kalteich ist am Freitag im Alter von 87 Jahren verstorben.
  • Stadtältester und Ehrenbürger starb im Alter von 87 Jahren / Freda: "Humoriger Ratgeber und verlässlicher Freund"

Freudenberg. Die Stadt Freudenberg trauert um Rudolf Kalteich. Der Ehrenbürger und Stadtälteste ist am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben. Mit ihm verliert Freudenberg einen Kommunalpolitiker, der über Jahrzehnte die Entwicklung der Stadt mitgestaltet hat. Er galt als jemand, der seine Meinung klar sagte, auch wenn sie unbequem war.

Vom Lehrling zum dienstältesten Fraktionschef

Rudolf Kalteich wurde am 2. Mai 1939 in Freudenberg geboren. Als die Stadt 1956 ihr 500-jähriges Jubiläum feierte, war er Lehrling bei der Firma Landruf im Asdorftal. 1969 trat er in die FDP ein. Die Partei berief ihn im selben Jahr noch als sachkundigen Bürger in mehrere Fachausschüsse. 1972 rückte er in den Rat der Stadt nach. Dort blieb er ohne Unterbrechung bis zum 31. Mai 2014. Schon drei Jahre nach seinem Einzug übernahm er 1975 den Vorsitz der FDP-Fraktion. Er führte sie 39 Jahre lang bis zu seinem Ausscheiden. Viele Jahre leitete er außerdem den Werksausschuss und vertrat die Stadt im Verwaltungsrat der Sparkasse.

„Kurz, aber verletzend"

Kalteich war bekannt für seine Direktheit. Ein Satz von ihm wurde gern und oft zitiert: „Eine Rede muss kurz, aber verletzend sein.“ Klaus Krämer saß für die SPD über Jahrzehnte mit ihm im Rat. Er beschrieb ihn 2014 im Gespräch mit der Westfalenpost als einen, der „nie hintenrum, immer geradeaus“ gewesen sei. Kalteich habe einem die Wahrheit gesagt, auch wenn sie nicht immer schmeckte.

Politisch stand Kalteich lange für ein sozialliberales Bündnis. Von den 1970er bis in die 1990er Jahre arbeitete die Freudenberger FDP eng mit der SPD zusammen, die damals die absolute Mehrheit hatte. Dafür musste er in der eigenen Partei kämpfen, erzählte er einmal rückblickend. Er habe dort als „Linker“ gegolten. Für die kleinen Fraktionen setzte er sich bis zuletzt ein. Sie müssten die gleiche Arbeit leisten wie die großen, betonte er bei seinem Abschied aus dem Rat 2014.

Ehrenbürger, Ehrenring, Stadtältester

Für seine Ratsarbeit erhielt Kalteich bereits 1984 die Ehrenplakette der Stadt. Am 18. Dezember 2014 beschloss der Rat einstimmig, ihm das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Damit verbunden war der Ehrenring der Stadt Freudenberg. Zugleich wurde er zum Stadtältesten ernannt. Bürgermeister Eckhard Günther würdigte damals seine außergewöhnlichen Verdienste um das Wohl und Ansehen der Stadt, auch über ihre Grenzen hinaus.

Die Kreis-FDP zeichnete Kalteich als einen der ersten Kommunalpolitiker mit dem „Siegerländer Haubergsknipp“ aus. Ehrungen waren ihm dabei nicht um ihrer selbst willen wichtig. Einen Vorschlag für das Bundesverdienstkreuz lehnte er ab.

Engagiert weit über den Rat hinaus

Kalteichs Einsatz für Freudenberg ging weit über die Politik hinaus. Er engagierte sich in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Haubergsgenossenschaft und im Waldbauernverband. Außerdem wirkte er im Kuratorium des Bethesda-Krankenhauses und des Diakonie-Klinikums Jung-Stilling mit. Dafür ehrte ihn die Arbeitsgemeinschaft der Freudenberger Heimatvereine vor zwei Jahren mit ihrer Ehrennadel. Die Freudenberger FDP ernannte ihn zum Ehren-Fraktionsvorsitzenden. Er gehörte außerdem zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft zwischen Freudenberg und Mór.

„Immer an der Sache orientiert"

„Mit Rudolf Kalteich verliert die Stadt Freudenberg einen über Parteigrenzen hinaus geschätzten und hoch engagierten Kommunalpolitiker“, würdigt Bürgermeisterin Nicole Reschke den politischen Weggefährten. "Seine Argumente, seinen Rat habe ich sehr gerne gehört. Wir haben in der Sache gestritten, immer an der Sache orientiert. Ich werde den Austausch mit ihm vermissen.“

Torsten Freda, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Stadtrat: „Rudolf Kalteich war als kommunalpolitisches Urgestein jahrzehntelang das Gesicht der Freudenberger FDP. Er hat sich aber auch neben der Politik in vielen anderen Bereichen ehrenamtlich eingebracht. Wir werden ihn als wunderbaren Menschen, humorigen Ratgeber und verlässlichen Freund sehr vermissen."

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