Freudenberg. Sie mähen Friedhöfe, führen Gäste durch den Alten Flecken, backen im Backes, schreiben Protokolle und stehen beim Osterfeuer bis in die Nacht an der Fritteuse. Neun Ehrenamtliche aus acht Orten hat die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Freudenberger Heimatvereine am Samstag mit ihrer Ehrennadel ausgezeichnet. Der Jahresempfang fand wie jedes Jahr am 7. November statt, dem „Stadtgeburtstag“, diesmal in der evangelischen Kirche im Alten Flecken. Im Mittelpunkt stand neben den Geehrten die NRW-Stiftung, die in diesem Jahr 40 wird.
„Keine geschichtlichen Bedenken“ gegen den Stadtgeburtstag
ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann erinnerte an die Geschichte hinter dem Datum: Am 7. November 1456, vor genau 570 Jahren, wurden die Freudenberger Freiheitsrechte erneut bestätigt. Auf diese „Fleckenrechte“ beziehen sich die Stadtjubiläen, die Freudenberg seit 1956 feiert. Für die erste Feier musste man für ein solches Jubiläum noch eine staatliche Genehmigung einholen. Der Landschaftsverband stellte 1951 fest, von einer städtischen Verfassung im eigentlichen Sinne könne für 1456 keine Rede sein. Gegen eine Feier zum 500-jährigen Bestehen bürgerlicher Rechte habe man aber keine geschichtlichen Bedenken.
Zwei Glückwünsche gab es gleich zu Beginn: Organistin Sigrun Reifenberger, die den Empfang musikalisch gestaltete, spielt seit 25 Jahren für die Kirchengemeinde. Und Pfarrer Thomas Ijewski hat vor Kurzem den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten, auch für seinen Einsatz für den Erhalt der Kirche, die auf Platz eins der städtischen Denkmalliste steht. Ijewski hieß die Gäste in „seiner“ Kirche willkommen. Sie sei offen für alle Menschen und ein Ort, an dem sich Menschen begegnen.
„Wir ehren Ehrenamt“
Den Impulsvortrag hielt Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung aus Düsseldorf. Die Stiftung wurde 1986 zum 40. Geburtstag des Landes gegründet und feiert in diesem Jahr selbst ihr 40-jähriges Bestehen. Seither hat sie nach eigenen Angaben fast 4000 Projekte in den Bereichen Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege mit mehr als 340 Millionen Euro gefördert.
Ihr Auftrag sei es, so Ast, unbürokratisch zu fördern, Naturschutz voranzubringen und Heimat zu stärken. Als Beispiele nannte er den Ankauf von Flächen für den Naturschutz, eine Zechenanlage in Castrop-Rauxel und die Mauersegler im Aachener Dom – aber auch das Naturschutzgebiet Trupbacher Heide oder das Tastmodell des Alten Fleckens im Kurpark. Ein Schwerpunkt sei die Förderung des Ehrenamts. „Überall, wo sich Menschen stark machen, ist die Gesellschaft auch gegen Extreme resilient“, sagte Ast. Die Stiftung wolle Ehrenamt nicht nur fördern, sondern auch würdigen: „Wir ehren Ehrenamt.“
Die neuen Trägerinnen und Träger der Ehrennadel
Reinhard Dicke (Heisberg) ist Gründungsmitglied des Heimatvereins Heisberg und knüpft an eine Familientradition an: Sein Vater Karl Dicke war Chronist, sein Onkel Lothar Dicke Schatzmeister des Vereins. Heute verwaltet Reinhard Dicke selbst die Finanzen. Er packt bei Arbeitseinsätzen mit an, mäht den Friedhof und die städtischen Grundstücke und hilft rund um den Backes.
Richard Flender (Freudenberg) kennen viele als Nachtwächter, der Gästen Geschichte und Geschichten aus dem Alten Flecken erzählt. Zehn Jahre lang war er Altstadt-Beauftragter und vertrat die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner, zuletzt auch in der Diskussion um den autoarmen Alten Flecken. Mit Gitarre und Gesang bereichert er viele Veranstaltungen. Dem Vorstand des Heimatvereins Freudenberg gehört er seit mehr als zehn Jahren an, seit 2022 als stellvertretender Vorsitzender.
Heiko Hausmann (Bottenberg) ist seit mehr als 30 Jahren aktiver Feuerwehrmann. Er gehört zu den Gründern der Jugendfeuerwehr der Löscheinheit Heuslingen-Bottenberg, die 2027 ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Heute betreut er gut 30 Kinder und Jugendliche. Auch im Heimatverein und in seinem Dorf ist er zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird.
Friedhelm Lengert (Lindenberg) hält dem Heimatverein Lindenberg seit mehr als 55 Jahren die Treue. Das Feuerwehrgerätehaus im Ort hat er mit eigenen Händen mit erbaut, beim Umbau des Bürgerhauses kräftig mit angepackt. Lange war er auch in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Bei vielen Festen unterstützte er den Verein mit Essensspenden und selbst gebackenem Kuchen.
Heidi Monseur (Lindenberg) ist erst seit sieben Jahren im Heimatverein, zählt aber zu den aktivsten Mitgliedern. Sie hat eine Krabbelgruppe aufgebaut, in der junge Familien zusammenfanden, Kinderfeste mitorganisiert und mit Bastelabenden Menschen aller Generationen zusammengebracht. Außerdem war sie an der Gründung des Hockeclubs beteiligt.
Roland Platt (Niederndorf) hat 1988 die Gründungssatzung des Vereins zur Erhaltung und Erneuerung des Dorfbildes von Niederndorf mit unterschrieben. Fast 20 Jahre war er Geschäftsführer, von 2014 bis 2026 Kassierer. In dieser Zeit half er, Verbindlichkeiten von 135.000 Euro abzubauen, und übergab den Verein schuldenfrei an seine Nachfolgerin. Bei den Backtagen kümmert er sich heute um Verkauf und Kasse. Er spielte im Posaunenchor des CVJM Niederndorf und arbeitete im Vorstand der „Hilfe am Grab Niederndorf“ mit.
Erhard Röcher (Alchen) engagiert sich seit den frühen 1980er-Jahren im Heimat- und Verschönerungsverein Alchen, nach seinem Ruhestand fast 15 Jahre auch im Vorstand. Er pflegt Blumenkästen und Ruhebänke im Ort und backt seit der Wiederbelebung der Tradition 1998 im Öalcher Backes mit, auch zu ungewöhnlichen Zeiten.
Gerhard Schmidt (Oberheuslingen) gehört seit fast fünf Jahrzehnten dem Heimatverein Heuslingen-Bottenberg an, viele Jahre als Beisitzer im Vorstand. Sein Verein nennt ihn ein Universalgenie: Kartoffeln schälen, Schanzen binden, Backes renovieren, Zelte stellen. Beim Osterfeuer in Heuslingen steht der gelernte Metzgermeister bis in die Nacht in der Pommesbude. Legendär war auch seine „Ranch“, die er vor einigen Jahren in jüngere Hände übergeben hat.
Björn Siebert (Oberfischbach) ist Gründungsmitglied der Heimatfreunde Oberfischbach und seit 2002 ihr Schriftführer. In dieser Zeit baute der Verein ab 2018 das alte Feuerwehrgerätehaus zum Dorfgemeinschaftshaus um, erstellte eine Dorfchronik und feierte ein Dorfjubiläum. Siebert schreibt für die Dorfzeitung „Katzenberg-Echo“ und führt am Tag des offenen Denkmals durch die Kirche in Oberfischbach.
Bürgermeisterin: „Sie sind alle lokale Stars“
Bürgermeisterin Nicole Reschke nannte das Ehrenamt eine wichtige Ergänzung zum Hauptamt. „Unsere Errungenschaften sollten wir feiern“, sagte sie und appellierte an das Miteinander in den Freudenberger Ortsteilen. Die Geehrten seien dafür die besten Beispiele, sie seien alle lokale Stars, sagte sie mit Blick auf den Westenergie-Wettbewerb „LokalStars“, bei dem die Heimatfreunde Oberfischbach erst am Freitagabend ausgezeichnet worden waren. Reschke bat die Gäste, den Blick für das Positive nicht zu verlieren. In Freudenberg lasse es sich sehr gut leben.
Mit Musik von Sigrun Reifenberger an der Orgel, einem Imbiss und Gesprächen klang der Empfang aus.
Info: Die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine wurde 1969 gegründet. Sie ist der ehrenamtliche Dachverband von 20 örtlichen Heimat- und Kulturvereinen und gehört dem Westfälischen Heimatbund an. Mehr unter www.heimatvereine-in-freudenberg.de.


















