Das Rockmobil machte in den vergangenen Jahren mehrfach Station in Freudenberg. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit, unter professionellen Bedingungen Musik zu machen.
Das Rockmobil machte in den vergangenen Jahren mehrfach Station in Freudenberg. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit, unter professionellen Bedingungen Musik zu machen.

Freudenberg/Kreisgebiet. Der Kreistag Siegen-Wittgenstein hat mit dem Kinder- und Jugendförderplan 2026 bis 2030 ein neues Steuerungsinstrument für die Jugendarbeit vorgelegt. Am Donnerstag berät der Sozial- und Bildungsausschuss der Stadt Freudenberg darüber. Ein Blick auf die 100-seitige Vorlage zeigt: Freudenberger Jugendliche haben sich an der zugrundeliegenden Befragung überdurchschnittlich stark beteiligt – und äußern klare Wünsche an die eigene Stadt.

Alle fünf Jahre schreibt der Kreis Siegen-Wittgenstein seinen Kinder- und Jugendförderplan fort. Der Plan legt fest, wie viel Geld in offene Jugendtreffs, Vereinsarbeit, Jugendsozialarbeit und Kinderschutz fließt, welche Standards Träger erfüllen müssen und welche fachlichen Ziele die Jugendhilfe im Kreisgebiet in den kommenden fünf Jahren verfolgt. Für Freudenberg, wo die Jugendarbeit maßgeblich von Vereinen, Kirchengemeinden und zwei Jugendtreffs getragen wird, ist das keine abstrakte Kreispolitik – der Plan bestimmt direkt mit, wie gut diese Arbeit vor Ort finanziert und unterstützt wird.

Der von Landrat Andreas Müller, der Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses Heike zur Nieden und Kreissozialdezernent Thomas Wüst unterzeichnete Plan wurde unter Beteiligung des Kreisjugendrings, des Katholischen Jugendwerks Förderband und Vertreter:innen der Städte und Gemeinden erarbeitet – aus Freudenberg selbst saß allerdings niemand am Tisch der Planungsgruppe, anders als etwa für Hilchenbach und Kreuztal. Bevor der Kreistag die finanziellen Weichen endgültig stellt, geht der Entwurf nun durch die Jugendhilfeausschüsse und kommunalen Gremien – in Freudenberg also durch den Sozial- und Bildungsausschuss.

Freudenberger Jugendliche meldeten sich überdurchschnittlich zu Wort

Grundlage des Plans ist unter anderem eine Kinder- und Jugendbefragung, die der Kreis von Juli bis September 2025 unter dem Motto „#SiWiSindWIr – Deine Stimme zählt" durchgeführt hat. Von den 581 jungen Menschen, die die Frage nach ihrem Wohnort beantworteten, kamen 75 – also knapp 13 Prozent – aus Freudenberg. Das ist nach der Stadt Siegen selbst der zweithöchste Anteil aller Kommunen im Kreisgebiet, deutlich vor Städten wie Kreuztal oder Netphen. Auch bei einer zweiten Befragung, die sich gezielt an ehrenamtlich Engagierte in Vereinen und Verbänden richtete, war Freudenberg mit 48 Rückmeldungen (gut 8 Prozent) gut vertreten.

Der Kreis selbst räumt allerdings ein, dass die Datenbasis mit Vorsicht zu lesen ist: Von rund 34.300 jungen Menschen im Kreisgebiet beteiligten sich am Ende nur 446 mit auswertbaren Antworten – ein Rücklauf von etwa 1,3 Prozent. Zudem sind Gymnasiast:innen deutlich überrepräsentiert. Für die Ergebnisse aus Freudenberg heißt das: Sie geben Stimmungen wieder, sind aber kein exaktes Abbild aller jungen Menschen der Stadt.

Trotzdem lohnt der Blick in die frei formulierten Antworten, die dem Bericht als Anhang beiliegen. Dort schreibt ein:e Befragte:r aus einem Freudenberger Verein unverblümt: „Ich wünsche mir im Stadtgebiet Freudenberg eine ähnlich starke (finanzielle) Unterstützung von Jugendfreizeiten wie im Stadtgebiet Siegen (Stadtjugendring)."

Andere Rückmeldungen aus dem Kreisgebiet, die sich thematisch decken, sprechen von langwieriger Kommunikation mit der Verwaltung, ausgeschöpften Fördertöpfen für spontane Ideen oder dem Wunsch nach mehr Wertschätzung ehrenamtlicher Jugendarbeit durch die Kommunen. Diese Töne finden sich – wenig überraschend – auch in den offiziellen Leitzielen des Plans wieder, in denen ausdrücklich mehr Beteiligung, verlässliche Förderstrukturen und der Ausbau dezentraler, wohnortnaher Angebote gefordert werden.

Zwei Jugendtreffs, viele Vereine: Die Freudenberger Infrastruktur

Anders als frühere Kinder- und Jugendförderpläne benennt der neue Plan keine einrichtungsscharfen Zahlen pro Kommune – die Auswertung erfolgt kreisweit. Bekannt ist aber: In Freudenberg gibt es mit dem Jugendtreff Backes (Kölner Straße) und dem vom CVJM Büschergrund im Rahmen der Evangelischen Jugend getragenen Jugendtreff Chilli (Krottorfer Straße) zwei Standorte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) – zwei von insgesamt 19 derartigen Einrichtungen im gesamten Kreisgebiet. Kreisweit sind diese Einrichtungen mit rund 14,8 Vollzeitstellen und 26 Fachkräften ausgestattet; die Zahl der Standorte blieb in den vergangenen Jahren stabil.

Ergänzt wird diese Struktur durch ein dichtes Vereinsleben: In den offenen Antworten der Ehrenamtsbefragung tauchen aus dem Freudenberger Raum unter anderem der VC Freudenberg, der TV Freudenberg, die Freilichtbühne Freudenberg, mehrere CVJM-Gruppen (etwa in Büschergrund und Plittershagen), Feuerwehren und Heimatvereine als Träger von Kinder- und Jugendarbeit auf – ein Beleg dafür, dass ein Großteil der Jugendarbeit vor Ort ehrenamtlich und über Vereine läuft, nicht über hauptamtliche Einrichtungen.

Was der Plan konkret ändern soll

Für die Jahre 2026 bis 2030 hält der Kreis an den drei bereits im Vorgängerplan formulierten Leitzielen fest: eine gesicherte und zukunftsfähige Infrastruktur, gestärkte Rechte junger Menschen sowie geförderte Vielfalt und Teilhabe. Die Bilanz der vergangenen Förderperiode fällt gemischt aus – viele Ziele wurden erreicht oder teilweise erreicht, einige aber, etwa die stärkere öffentliche Wahrnehmung der offenen Jugendarbeit in einzelnen Sozialräumen oder eine flächendeckende Umsetzung von Aktivitätskosten-Förderungen für sozial benachteiligte Jugendliche, blieben auf der Strecke.

Konkret sieht der Plan für den gesamten Kreis unter anderem vor:

Die Sachkostenförderung für mobile und dezentrale Jugendarbeit soll steigen, ebenso die Förderung von Ergänzungskräften, orientiert am Mindestlohn. Für Freizeitmaßnahmen von Vereinen soll der Tagesfördersatz für ehrenamtliche Betreuer:innen von 7 auf 10 Euro angehoben werden, und der Betreuungsschlüssel bei Ferienfreizeiten soll von eins zu sechs auf eins zu fünf sinken – eine Reaktion auf zunehmend herausforderndes Verhalten in Gruppen, wie es in der Vorlage heißt. Auch eine jährliche öffentliche Anerkennung ehrenamtlichen Engagements ist neu vorgesehen. Insgesamt beziffert der Kreis den zusätzlichen Mittelbedarf allein für die Handlungsfelder Offene Kinder- und Jugendarbeit und Kinder- und Jugendarbeit (Vereine/Verbände) auf rund 121.850 Euro pro Jahr, hinzu kommen rund 331.000 Euro für die Jugendsozialarbeit, sollte die bisherige EU-Förderung (ESF) ab 2028 auslaufen. Die laufenden Transferaufwendungen für alle vier Handlungsfelder summieren sich 2026 bereits auf rund 2,73 Millionen Euro.

Bei der Ausgestaltung der neuen Förderrichtlinien – die diese Mehrbedarfe erst konkret umsetzen – hat der Jugendhilfeausschuss des Kreises das letzte Wort. Die Beratung in den städtischen Fachausschüssen wie dem Freudenberger Sozial- und Bildungsausschuss dient dazu, den Kommunen vor der abschließenden Beschlussfassung im Kreistag eine Stimme zu geben.

Die offenen Fragen für Freudenberg

Was der Plan nicht liefert, ist eine Antwort auf die in der Befragung geäußerte Freudenberger Kernforderung nach einer eigenen, stärkeren kommunalen Förderung von Jugendfreizeiten – das bleibt, wie der Kreis selbst betont, eine kommunale und keine Kreisaufgabe. Ob und wie die Stadt Freudenberg darauf reagiert, dürfte damit auch Thema der kommenden Ausschusssitzung werden. Ebenso offen ist, wie stark sich die geplante Erhöhung von Fördersätzen und die Anpassung des Betreuungsschlüssels konkret auf die Freudenberger Vereine und die beiden Jugendtreffs auswirken werden.