Siegerland. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen: fast unmöglich. Der Start in einen Beruf: ein stressbehafteter Gedanke. Lieber ins abgedunkelte Zimmer zurückziehen – so beschreibt Anne N. (Name geändert) die Situation, in der sich ihre Tochter befindet. Vor vier Jahren ist die 21-Jährige psychisch erkrankt. Die Mutter tut alles in ihrer Macht stehende, um ihr Lasten abzunehmen, ihr das Leben zu erleichtern. Fast am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt, kämpft Anne N. jedoch weiter. Sie sucht Gleichgesinnte, um sich auszutauschen. Anne möchte erfahren, wie es auf andere Art möglich sein könnte, ihrer Tochter zu helfen. In Zusammenarbeit mit Silke Sartor von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen will die Mutter eine Selbsthilfegruppe für Eltern von psychisch kranken Jugendlichen und jungen Erwachsenen gründen.

Die Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche unterschiedliche Veränderungen durchlaufen. Während es der Großteil schafft, das körperliche und seelische Chaos zu bewältigen, können andere in eine Identitätskrise fallen oder psychisch erkranken. Anne N. erzählt, dass sich die Probleme ihrer Tochter vor allem auf ihr Denken, Fühlen und Handeln beziehen. Ein verändertes Verhalten bemerkte die Mutter, als ihre Tochter 16 Jahre alt war, sie zunehmend antriebslos wurde, den Schulbesuch mied und vermehrt kränkelte. „Sie quälten Magenschmerzen und -krämpfe.“ Heute weiß die Mutter, dass sich die psychischen Belastungen ihres Kindes auf den Körper auswirken und sich sogenannte psychosomatische Reaktionen bemerkbar machen. Die Mutter recherchierte zunächst selbst im Internet, um die Situation zu verstehen. Gewissheit erhielt die Familie nach dem Besuch bei einem Psychiater. Die Diagnose: soziale Angststörungen mit einer daraus resultierenden Depression. Es folgte ein sechsmonatiger stationärer Klinikaufenthalt. Nach der Entlassung wurde der Schulbesuch, laut der Mutter, wieder regelmäßiger. Doch die junge Frau habe sich durch die nächsten Jahre gequält.

„Wenn Veränderungen anstehen, fürchtet sie sich“, weiß die Mutter. So beispielsweise, als sie die Chance erhielt, eine geringfügige Beschäftigung anzutreten: „Kurz vor dem ersten Arbeitstag stand sie vor mir und ich merkte, dass sie es nicht schaffen wird, hinzugehen.“ Ein zweiter stationärer Aufenthalt komme für die heute 21-Jährige nicht infrage. Laut Anne N. habe ihre Tochter Angst davor, dort selbstmordgefährdet zu werden.

Wer ähnliche Erfahrungen wie die Mutter macht und in einem geschützten Gesprächskreis frei über seine Erlebnisse sprechen und sich austauschen möchte, kann sich bei Silke Sartor unter 0271 / 5003 130 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden.


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