Stadtgebiet. Freudenberg erinnerte wieder mit einer „koordinierten Aktion“ an die alte Siegerländer Backtradition. Alle acht im Stadtgebiet vorhandenen Backeser, die noch oder wieder „eingeheizt“ werden, beteiligen sich an der Gemeinschaftsaktion „ Freudenberger Backestag“. Er steht unter dem Motto „BROTLUST in unserer Fachwerkstadt“, sogar das spätsommerliche Herbstwetter hätte zum  vierten Backestag nicht schöner sein können.

Die Backhaus-Gemeinschaften und Heimatvereine dokumentieren damit das gemeinsame Anliegen, an dieser regionaltypischen Form der Backwarenherstellung wach zu halten.

Die Backeser in Alchen, Dirlenbach, Heisberg, Oberheuslingen, Hohenhain, Mausbach, Niederndorf und Oberholzklau bereiten sich darauf vor, ihre schmackhaften Ergebnisse des traditionellen Backens zu präsentieren, Treffpunkt für Jung und Alt zu sein.

Und auch Drumherum wird Einiges geboten: So sind beispielsweise rund um den „Grönner Backes“ alte Arbeitsgeräte zu sehen, auch eine alte Getreide-Mühle ist im Betrieb. Für die vielen kleinen Gäste hatten die Organisatoren eine echte Eselherde an den Backes stellen können. In Oberholzklau gehörte am frühen Nachmittag ein Rundgang im historischen Ortskern mit Besichtigung der Kirche zum Rahmenprogramm. Hier konnte auch beim Backen zugeschaut werden.

Das Stichwort "Live-Backen" galt auch für Niederndorf, wo es in der Backwerkstatt Tipps zum Brotbacken gibt. Für die Geselligkeit und dörfliche Zusammenkunft, war die Gartenwirtschaft im „Boss Hous“ eröffnet und wurde von den Niederndorfern gern genutzt. Und in Heuslingen war zu besichtigen, wie der bekannte „Grönner Christstollen“ entsteht.

Dass in diesem Jahr zugleich die Erinnerung an den Stadtbrand Freudenbergs vor 350 Jahren eine Rolle spielte, war naheliegend und ein geschichtlicher Rückblick. Denn das Entstehen der Backeser war letztlich auch eine Brandschutzmaßnahme: Brotbacken war nicht nur mit Mühe, sondern auch mit Gefahren verbunden: Denn erst die durchs Feuer entstandene Hitze ermöglicht den Backvorgang.

Dies muss schon Graf Johann VI zu Nassau, „der Ältere“) sehr bewusst gewesen sein, als er in seiner „Holz- und Waldverordnung“ festlegte: „In jedem Dorff sollen ettliche gemeine Backofen verordnet werden.“ Dem ließ er am 18. August 1586 die konkrete Anweisung folgen „Und zwar an feuerfreyen Orten.“

„Sicherheit“ spielte eine Rolle, wie die Maßgabe, mit wertvollem Holz sparsam umzugehen. Die Backhäuser wurden also wegen der Brandgefahr stets abseits von den übrigen Gebäuden errichtet, oft an Weggabelungen oder Wasserläufen.

Baugenehmigungen für Backhäuser enthielten Auflagen. Diese betrafen noch im Jahre 1844 für Oberfischbach den Brandschutz-Abstand:

„Der Bau selbst darf nur von (…) Bauhandwerkern ausgeführt werden, und muß wenigstens 100 Fuß von jedem anderen Gebäude entfernt bleiben.“ Ebenso wird auf eine feuerungefährliche Dacheindeckung Wert gelegt:

„Das Dach auf einem solchen Gebäude darf nicht mit Stroh, sondern nur mit Ziegel oder Schiefer gedeckt werden.“

Jeder Backes hatte seine besondere Spezialität angeboten. Der Tag konnte dort mit einem herzhaften Frühstück beginnen und Leckeres zum Kaufen stand bereit:

in Dirlenbach Schanzenbrot, Reibekuchen und Hefezopf; in Oberholzklau Schanzenbrot, Mehrkornbrot, verschiedene Blechkuchen; in Heuslingen verschiedene Brotsorten, u.a. Knützebrot (Brot in Dosen), Bäckel sowie Blechkuchen; in Hohenhain Schwarzbrot; in Alchen "Öalcher Landbroet", Sejerlänner Riewekooche, Weißbrot, Franzenbrötchen, Rosinenstuten und Blechkuchen; in Mausbach Roggen- und Mischbrot; in Niederndorf Schanzenbrot und Bäckel und in Heisberg Reibekuchen und Bäckel.

Für die Mittagszeit wurde herzhaft Leckeres angeboten:

in Heisberg Reibeplätzchen; in Niederndorf Steak, Grillwurst, Brat- und Folienkartoffeln; in Mausbach Erbsensuppe und Schnitten; in Alchen Nudeln mit Bolognese-Soße; in Hohenhain Reibeplätzchen mit Lachs, Zwiebelkuchen; in Heuslingen Currywurst und Pommes; in Oberholzklau Siegerländer Haubergspizza und in Dirlenbach ebenso Leckeres vom Grill sowie Zwiebelkuchen.

Nachmittags wurde Bohnenkaffee gebrüht, in Niederndorf gabs dazu Waffeln, Crepes und ein Kuchenbuffet, Waffeln werden ebenso in Heuslingen und Mausbach angeboten. Die Mausbacher hatten auch die bestens bekannte Erbsensuppe am Backestag im Angebot.

Fotos: Henning Prill

 

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