Freudenberg. Zu den Uhren-Vorträgen mit Ian Fowler findet sich immer ein hoch interessierter Besucherkreis im Freudenberger 4Fachwerk-Museum ein. Fowler, als Uhrenhistoriker weit über die Region bekannt, widmete sich diesmal den eigentlichen Uhr-Werken mit Platinen und Zahnrädern als Zeitzeugen technischer Entwicklung. Die tatsächliche handwerkliche Arbeit der Uhrmacher stecke hinter Zifferblatt und Gehäuse. An Beispielen zeigte Fowler die typischen Werke aus der Stahlschmidt-Werkstatt und verglich diese mit der Arbeit anderer zeitgenössischer Uhrmacher.

Mit seinem Vortrag wurden quasi zwei neue Exponate in der Freudenberger Uhrensammlung begrüßt: Die sogenannte „Utsch-Uhr“ verdankt ihre Bezeichnung dem Freudenberger Arzt Dr. Jacob Utsch (1824-1901), in dessen Haus sie Jahrzehntelang die Zeit ansagte.

Fowler ordnet die Uhr aufgrund der Gravur am Aufzugsrad „1829“ als Anfertigung durch Tillmann Stahlschmidt ein, der 1827 die Manufaktur von seinem Vater Johann Peter Stahlschmidt (1755-1833) übernommen hatte. Zu vermuten sei, dass die Uhr über Utsch’s Ehefrau Helene Schneider in den Familienbesitz gelangte, da Utsch selbst erst 1852 nach Freudenberg kam. Sie blieb im Familienbesitz, aus dem Haushalt seines Schwiegersohns, dem Arzt Dr. med. Albert Schleifenbaum, der ebenfalls in Freudenberg praktizierte, übernahm dessen Tochter Gudrun, auch Medizinerin, das Erbstück und übertrug es kurz vor ihrem Tod dem Freudenberger Museum.  Die Uhr verfüge über ein Schweizer Emaille-Zifferblatt, eine Datumsanzeige und zwei Gong-Spiralen im Gehäuse. „Es ist die mir einzig bekannte Stahlschmidt-Uhr mit einem Doppelgong“, beschreibt Fowler das Besondere.

Eine weitere neue Standuhr für die Ausstellung stammt aus der Uhrmacher-Werkstatt Hoffmann in Trupbach. „Ich vermute allerdings, dass das Gehäuse in Freudenberg um 1800 gefertigt wurde, da das Äußere sehr hiesigen Uhren gleicht,“ so Ian Fowler. Von Johann Heinrich Hoffmanns Schwiegervater Hermanus Richter (1713-1782) ist bekannt, dass er Siegener Turmuhren wartete.

Bedeutungsvoll bei dieser Uhr ist ebenfalls ihre Herkunft: Sie stammt aus dem Hause Weiland (Weyland). Die Familie lebte zuletzt in dem Eckhaus Neuer Weg/Trulichstraße, in dem einst auch die „Handelslehranstalt mit Internat J. Weiland“ ihren Sitz hatte. Berühmter Vorfahre aus der Weiland-Familie ist Johann Wilhelm Weyland (1760-1808), einst in der Marktstraße praktizierender „Amtschirurgus“. Er behandelte im Zuge des „Französischen Kriegskassenraubes“ im September 1796 im Flecken weilende verletzte französische Soldaten und erreichte damit, dass Freudenberg von Rachehandlungen verschont blieb. Damals waren die Dörfer Heid, Dörnscheid und Römershagen als Vergeltung für den Raubzug niedergebrannt worden. Johann Wilhelm Weyland war der Schwiegersohn des ersten Arztes im Flecken, dem Fürstlichen Amtschirurgen Johann Thomas Schmidt (1738-1796).

Die zahlreichen Museumsgäste konnten also viel Neues zu Technikgeschichte und Historie erfahren. Ein weiterer Vortragsabend, so der Wunsch, soll sich mit dem Forschungsstand zu den hölzernen Uhrengehäusen befassen. Üblich sei es durchaus gewesen, so Fowler, dass zunächst das Oberteil mit Uhrwerk entstand und der „Unterbau“ je nach finanziellen Möglichkeiten später hinzukam. So seien die zahlreichen Uhren-Gehäuse aus unterschiedlichen Holzarten erklärbar.

Foto-Repro: B. Brandemann

 

 


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