160509oberholzklau1Der Arbeitskreis „Historische Gebäude der Kirchengemeinde in Oberholzklau“ kämpft derzeit um den Erhalt des Pfarrhauses und der angrenzenden Scheune. Das Presbyterium will die Gebäude verkaufen.

Oberholzklau. Genau 418 Unterschriften befinden sich auf den Listen, die der Arbeitskreis „Historische Gebäude der Kirchengemeinde in Oberholzklau“ erhalten und jetzt an das örtliche Presbyterium, den Kirchenkreis und das Landeskirchenamt versendet hat. Darin fordern die Unterzeichner die Kirchengemeinde konkret auf, die gefassten Beschlüsse über die Aufgabe des Pfarrhauses und der Pfarrscheune aufzuheben. Sie appellieren weiter, „der Verantwortung für die Erhaltung des den Ort Oberholzklau prägenden und weit über seine Grenzen hinaus wertgeschätzten Ensembles historischer Gebäude gerecht zu werden.“

Ob das Ziel erreicht wird, ist offen. „Wir spüren, dass das Presbyterium um jeden Preis zumindest das Pfarrhaus verkaufen will, um vollendete Tatsachen zu schaffen“, bedauert Cornelia Becker-Bartscherer, Sprecherin des Arbeitskreises. Die Diskussion um die Beschlüsse zu den historischen Gebäuden in Oberholzklau hat jedenfalls Spuren hinterlassen. „Wir bekamen deutlich zu spüren, dass die Kritik an den Beschlüssen mehr als unerwünscht ist.“ Der Männerkreis, der sein Domizil bislang im Pfarrbackes hatte, zog seine eigene Konsequenz. Er trennte sich von der Oberholzklauer Kirchengemeinde und trifft sich jetzt in Meiswinkel.

Dass die Kirchenverantwortlichen ihre historischen Wurzeln so massiv kappen wollen, habe im Ort und weit darüber hinaus zu „blankem Entsetzen und Unverständnis“ geführt, stellt Rainald Thiemann, Sohn des früheren Ortspfarrers Gotmar Thiemann, fest. Die Kirche als Raum der Liturgie soll zwar erhalten bleiben; aber das Pfarrhaus, seit Jahrhunderten offener Ort und Zeichen der Seelsorge, aufzugeben, berührt die Menschen tief,“ wissen Ernst-Otto Ohrndorf und Wolfgang Samol zu berichten, die einen Teil der Unterschriften sammelten.

Der frühere Ortsvorsteher Hans-Jürgen Helmes geht auf die  Geschichte des Pfarrhauses ein: „Das Haus bezeugte allein durch seine Stellung, dass hier Zuspruch und Hilfe zu erwarten war. In frühen Zeiten war hier eines der ersten Telefone im Ort. Von hier wurde der Arzt um Hilfe gerufen, der Pfarrer in Freud und Leid jederzeit konsultiert.“ Das Pfarrhaus habe 39 Pfarrern als Ausgangspunkt für ihren Dienst an der Gemeinde gedient. „Dass es plötzlich nicht mehr gut genug sein soll, wundert dann doch die Leute“, weiß Heinrich Bosch zu berichten, auch ehemaliger Ortsvorsteher, der in dem Haus ein und ausgegangen ist.

160509oberholzklau2„Wir müssen noch immer um Antworten kämpfen,“ erläutert Alfred Becker. „Aber wir wollen wissen, was wann und wie passiert ist“. Er geht damit auf den Umstand ein, dass sich offenbar die Welt in Oberholzklau innerhalb von gut einem halben Jahr völlig verändert habe. So war es der Superintendent höchstselbst, der am 7. Mai vorigen Jahres die Ergebnisse einer Gemeindeversammlung zusammenfasste: „Vorrangig“, so ist auf der Homepage des Kirchenkreises später nachzulesen, „sollen die beiden Kirchen in Oberholzklau und Alchen nebst dem ältesten Pfarrhaus in Westfalen und dem alten Backes erhalten und für die Gemeindearbeit genutzt werden.“ Gerade einmal sechs Monate später, am 18. November, verkündete dann der neue Ortspfarrer per Zeitungsbericht im Widerspruch dazu, nun solle nicht nur die historische Pfarrscheune, sondern sogar das Pfarrhaus „aufgegeben“ werden, und begründete dies mit „Sanierungsstau“. „Diese Begründung ist nicht nachvollziehbar“, äußert sich Alfred Becker; man habe vielmehr den Eindruck, dass der neue Pfarrer gezielt nach Gründen gesucht habe, nicht in das alte Pfarrhaus einziehen zu müssen.

„Die Kirchen haben sich in ihren Ordnungen selbst verpflichtet, die in ihrem Besitz befindlichen Denkmäler zu schützen und zu erhalten. Es gibt zahlreiche Vorgaben, wie das wertvolle Bauerbe kontinuierlich zu prüfen ist und eventuelle Missstände und Renovierungsnotwendigkeiten zu dokumentieren sind“, erläutert Alfred Becker weiter. Der Arbeitskreis lasse sich nicht davon abbringen, zu erfahren, wann und wie die kirchlichen Stellen diesen Verpflichtungen nachgekommen sind.  „Diese Antworten seitens der Kirchengemeinde selbst wie des Aufsichtsführenden Landeskirchenamtes fehlen immer noch,“ wundert sich Rosemarie Wallhäuser, die sich auch vom verkündeten „plötzlichen Sanierungsstau“ überrascht zeigt. „Natürlich ist ein Pfarrhaus neben der Kirche ein untrennbarer Ausdruck gelebten christlichen Glaubens!“

Mit Blick auf das „architektonische Kleinod“ der historischen Oberholzklauer Ortsmitte begrüßt Cornelia Becker-Bartscherer das Gesprächsangebot der Stadt Freudenberg. Diese hatte sowohl Vertreter der Kirchengemeinde, des Arbeitskreises und der Oberen Denkmallbehörde aus Münster eingeladen. „Das dabei gefundene Ergebnis, so schnell wie möglich das historische Ensemble rund um Kirche und Pfarrhaus mit einer Denkmalbereichssatzung umfassend zu schützen, da weitere Nutzungsabsichten noch unklar sind, ist richtig,“ findet Bernd Brandemann, der den Siegerländer Heimatbund im hiesigen Arbeitskreis für Denkmalpflege vertritt. Baudezernent Karl-Hermann Hartmann kündigte inzwischen an, eine entsprechende Vorlage in die nächste Sitzung des Fachausschusses einzubringen. Schon bei der Unterschutzstellung der einzelnen Gebäude in den Jahren 1981 und 1983 hatten die Denkmalpfleger dokumentiert: „Alle Gebäude bilden eine geschlossene bauliche Einheit und stellen einen typischen Siegerländer Pfarrbereich dar. An ihnen wird die Lebensweise des Pfarrers bzw. die wirtschaftliche Situation der Pfarrgemeinde verdeutlicht.“

Es müsse gelingen, dieses historisch, städtebaulich und kirchen- wie sozialgeschichtlich aussagekräftige Ensemble und die spezifische Verknüpfung der baulichen Anlagen mit den sie umgebenden Frei- und Grünflächen zu bewahren, sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises einig.  Die Überlegungen des Freudenberger Baudezernenten u. a. zu einer denkmalgerechten Umgestaltung der Pfarrscheune, haben wir als interessante Idee empfunden, so Cornelia Becker-Bartscherer. Die Pfarrscheune hat ebenso wie die anderen Gebäude des Ensembles eine bewegte Vergangenheit als Konfirmandensaal und Kleinkinderschule sowie als Bibliotheksraum. Es sei gut, so Cornelia Becker-Bartscherer, dass sich die Stadt hier in ihrer Funktion als untere Denkmalbehörde interessiert, wachsam und aktiv zeige.


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