Freudenberg. Mit Burkhard Leismann, dem Direktor des Kunstmuseums Ahlen, hatten Vera Becker und ihre Tochter Melanie Becker-Hoffmann einen prominenten wie kenntnisreichen Moderator für ihre Ausstellungseröffnung in Freudenberg gewinnen können. Beide Künstlerinnen seinen zwar familiär und in ihrem Tun verwandt, doch sie verwirklichten sich in sehr eigenständigen Positionierungen. Gemeinsam zeichneten sich ihre Werke durch eine intensive malerische Wirkung wohltuend aus. „Ihre visuellen Botschaften berühren den Betrachter“, zeigte sich Leismann überzeugt. Wenngleich von einem einheitlichen Basisaufbau ihrer Werke auszugehen sei, zeuge der jeweilige künstlerische Fortschritt doch von ausgesprochenen Individualitäten.  Seine Schlussfolgerung: „Der Titel „Eigenart-verwandt“ ist treffender als Artverwandt.“

Ausführlich schildert Leismann den Werdegang der beiden Künstlerinnen. Sie seien einem starken inneren Ruf gefolgt, am Beginn hätte keine akademische Ausbildung gestanden. Darin unterstellt der Museumsdirektor einen Vorteil: „Ihre künstlerischen Produkte tragen eine sehr persönliche Handschrift, ihre eigenen Seelen sind implementiert, alles ist authentisch, Ausdruck eines Reifeprozesses.“

Viele berühmte Künstler seien Autodidakten, befreit vom Mainstream besonderer „Denkschulen“. Leismann: „Das ist kein Makel, sondern sehr ehrlich, sehr positiv.“

In den Werken von Vera Becker sieht er einen ganz individuellen, ureigenen Schaffungsakt, der im experimentellen Austausch von Materialien wachse. So würden poetische, lyrische Bilderwelten entstehen. „Es sind Dokumente des Lebens, der Lebenswege.“ Die Leidenschaften künstlerischen Handelns würden unverfälscht wiedergegeben. Er sei beeindruckt von dieser ästhetischen Kunst, die sensibelste Momente der Wahrnehmung zuließen.

Bei Melanie Becker-Hoffmann stellt er den Charakter ihrer Werke als „Überzeichnung, ohne eine Zeichnung zu sein“ dar. Die kraftvollen Materialkollagen beeindruckten, sie führten zu einer visuellen wie haptischen Wahrnehmung. „Es sind aufregende Hingucker“, so sein Lob. Dass zunehmend Glas bei der ausgebildeten Glasgestalterin eine Rolle bei ihren künstlerischen Arbeiten spiele, sei nur verständlich. Diese Materialcollagen seien in ihrer Entwicklung ein sehr wichtiger Gestaltungsfortschritt. Die farbigen Grundierungen verbunden mit farbigen Stoffbändern und Textilfäden empfinde er als „drunter und drüber Seherlebnis“.

„Die Exponate von Mutter und Tochter verbindet die Ausstrahlung von Leidenschaft und Freude am Gestalten“, findet der Ahlener Kunstexperte. Hier zeige sich ein großes Kreativpotential. Insofern wünsche er sich viele Besucher für diese Gemeinschafts-Ausstellung.

Ausgesprochen zahlreich waren bereits die Eröffnungsgäste erschienen, die 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel im Museum mitten im Alten Flecken begrüßen konnte. Und der Wunsch wie das Angebot, sich intensiv mit beiden Künstlerinnen auszutauschen, wurde intensiv und gerne genutzt.

Die Ausstellung ist bis zum 19. November zu sehen. Das Museum ist mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

 

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